„Schluss mit der digitalen Naivität“ – Ayse Asar fordert strikte Regeln für soziale Medien

HÜNSTETTEN-GÖRSROTH, 18. Februar 2026 – „Wir können nicht länger zusehen, wie eine ganze Generation in die algorithmische Abhängigkeit rutscht“, mit diesen deutlichen Worten eröffnete Ayse Asar die Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen in Hünstetten-Görsroth.

Unter dem Titel „Scroll dich nicht kaputt“ diskutierte sie vor engagiertem Publikum die drastischen Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche und forderte eine Abkehr von der bisherigen Politik der bloßen Appelle.


Klare Kante: Verbote als notwendiger Schutzraum
Anders als in der bisherigen Debatte oft postuliert, sieht Asar in gezielten Verboten kein Hindernis, sondern eine notwendige Leitplanke. „Die Freiheit der Kinder endet dort, wo Konzerne ihre psychologische Entwicklung für Profite opfern“, so Asar. Sie stellte sich in Görsroth explizit hinter die aktuellen Forderungen der Nationalakademie Leopoldina:

  • Striktes Konten-Verbot für Unter-13-Jährige: Keine Grauzonen mehr. Wer zu jung ist, darf keinen Zugang zu potenziell schädlichen Plattformen haben.

  • Begleiteter Einstieg: Für 13- bis 15-Jährige darf es den Zugang nur mit verifizierter elterlicher Einwilligung und unter strengsten Schutzauflagen geben.

Algorithmen als Brandstifter für Gewalt und Essstörungen
Asar untermauerte ihre Forderung mit erschreckenden Daten: Die polizeiliche Kriminalstatistik 2024 zeigt einen Anstieg von Gewaltstraftaten bei Kindern um 11,3 %. „Soziale Medien wirken hier als Brandbeschleuniger. Wenn 70 % der Jugendlichen ungefragt Gewaltvideos in ihren Feed gespült bekommen, normalisiert das Aggression schon im Kinderzimmer“, warnte sie. Auch die Verdopplung der Klinikbehandlungen wegen Essstörungen bei jungen Mädchen in den letzten 20 Jahren sei ein direktes Resultat des unregulierten digitalen Drucks.


Design-Pflichten sind kein Ersatz für Altersgrenzen, sondern die Ergänzung
Während Asar weiterhin auf „Safety by Design“ (das Verbot von Sucht-Features wie Infinite Scroll) setzt, machte sie in Görsroth deutlich, dass Technik-Design allein nicht ausreicht. „Wir brauchen beides: Eine Architektur, die nicht manipuliert und suchtverstärkend wirkt UND klare Altersgrenzen, die auch technisch durchgesetzt werden – etwa durch das sichere EUDI-Wallet.“


Kritik an der Umsetzung des Jugendschutzes
Scharfe Kritik übte Asar an der aktuellen Trägheit bei der Durchsetzung bestehender Gesetze. „Der Digital Services Act (DSA) der EU gibt uns die Werkzeuge, aber wir müssen sie endlich nutzen, um die Plattformen mit empfindlichen Strafen zur Rechenschaft zu ziehen. Es darf nicht sein, dass Profitinteressen aus dem Silicon Valley über dem Kindeswohl in Deutschland stehen.“


Fazit des Abends
Ayse Asar schloss die Veranstaltung mit einer klaren Botschaft an die Eltern und Lehrkräfte in Hünstetten: „Medienkompetenz ist wichtig, aber sie darf keine Ausrede für staatliche Untätigkeit sein. Wir lassen Kinder auch nicht ohne Führerschein auf die Autobahn, in der Hoffnung, dass sie schon irgendwie klarkommen. Wir brauchen jetzt den Mut zu klaren Regeln.“

Zum Diskussions-Papier der Leopoldina: “Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen” (pdf)

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